Jugendpsychiatrie 3

vierter Aufenthalt - acht Monate 2006

Meine Mutter zog Ende April mit meiner Schwester um. Sie wohnte jetzt einen Kilometer weit weg von uns. Ich wollte mit ihr ausziehen. Ich kam mit ihr inzwischen besser klar, als mit meinem Vater. Ich wollte nicht bei ihm bleiben.

Ich ging wieder in die Klasse meiner Schwester, allerdings unregelmäßig. Einmal in der Woche fuhr ich in die Klinik zum Gespräch mit meinem Therapeuten. Ich schwieg die meiste Zeit, ich hatte nichts zu erzählen und hörte zu.

Nach einem der Gespräche ging ich nicht wieder nach Hause. Ich fuhr zu einer Freundin und schickte meinem Vater nur eine kurze SMS, das es mir gut ginge. Am nächsten Tag ritzte ich mich, keine halbe Stunde nachdem ich wieder zu Hause war. Es ging mir nicht gut. Es gab immer wieder Streit und ich war mit dem Tagesablauf zu Hause überfordert. Mein Vater rief meinen Therapeuten an und am nächsten Morgen brachte er mich wieder in die Psychiatrie.

Der Aufenthalt sollte mein längster werden. Es war schnell klar, dass ich nicht wieder nach Hause gehen würde, sondern in eine betreute Einrichtung. Zumindest war das allen ausser mir klar. Ich versuchte fast täglich meinen Vater zu überreden mich abzuholen. Ich verweigerte mal alles, mal machte ich mit.

Ich verletzte mich immer häufiger, immer tiefer. Immer öfter musste ich genäht werden. Ich hatte Zeiten, in denen ich jeden Tag schnitt. Ich wollte meine seelischen Schmerzen mit den physischen Schmerzen überlagern. Ich wollte mich spüren und das Chaos in meinem Kopf ausblenden.

Irgendwann akzeptierte ich, dass ich ins Heim musste. Ich probierte ein Heim aus, lief von dort jedoch nach drei Tagen wieder weg. Mein Großvater war gerade gestorben, ich wollte jetzt in der Nähe meiner Familie sein und das Heim war zu weit weg.

Wieder zurück in der Jugendpsychiatrie, dauerte es nochmal ein- einhalb Monate bis ich ein "passendes" Heim gefunden hatte. In dem betreuten Jugendwohnen lebte auch meine ehemalige Zimmernachbarin und Freundin.

Nach acht Monaten wurde ich ins Jugendwohnen entlassen.


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