Gedichte und Texte, entstanden in meinem Jahr zu Hause

 

ein-auf-fröhlich-machen-fest

Alle lachen, sind fröhlich. Sitzen zusammen. Haben Spaß miteinander. Vergessen sind all die Lügen. Der Streit. Der Stress untereinander und bei der Arbeit, in der Schule.
Auch ich lache. Bin fröhlich. Zumindest nach aussen. Ich tue so, als wäre alles vergessen, alles in Ordnung. Aber in mir brodelt es. Momentan hasse ich sie alle. Hasse sie dafür, dass sie so tun als wären sie alle zufrieden mit der Situation. Hasse sie dafür, dass sie alles ignorieren, was geschehen ist. Hasse sie, weil sie die heilste Familie der Welt spielen. Ich möchte ihnen zeigen, dass es mir nicht gut geht, dass ich nichts vergessen habe, nichts vergessen kann. Auch nicht für einen Tag.
Alle lachen, sind fröhlich, denn es ist Weihnachten.

 

 

Warum will ich sterben?


Sie liegen vor mir. Dreizig Tabletten. Ich schlucke sie immer drei auf einmal. Zwischendurch wird mir schlecht. Ich muss würgen. Schaffe ich die Tabletten überhaupt? Und schaffe ich die anderen auch noch, die die noch unter meiner Bettdecke liegen? Ich denke nach. Über die letzten Tage. Was ist so schlimm, dass ich es nicht mehr aushalte, zumindest immoment. Eigentlich läuft es doch gut. Besser als erwartet jedenfalls. Mir geht es doch auch gut. Es gab keinen Streit. Und trotzdem sitze ich jetzt in meinem Zimmer und nehme Tabletten. Ich verstehe mich selbst nicht. Warum geht es mir so schlecht? Ich höre nach den dreizig Tabletten auf. Nehme die anderen doch nicht. Ich will leben! Das läuft gut für mich. Ich brauche mich nicht umbringen. Fahre ins Krankenhaus. Mir wird schwindelig. Ich fange an zu zucken, habe mich nicht mehr unter Kontrolle. Werde fixiert, damit ich mir nicht die Infusion rausziehe. Dann schlaf ich ein. Bin ganz ruhig. Ich weiß, jetzt werden sie sich um mich kümmern, mir helfen. Und bald bin ich wieder zu Hause und kann anfangen richtig zu leben.

 

 

Freunde

Wie kannst du
Mir erzählen
Du wärst allein

Freunde
Umgeben dich

Mach die Augen auf
Erkenne sie

Unterscheide
Die Guten von
Den Schlechten

Dann wirst du
Spaß haben
Mit den Guten
Und dich ärgern
Über die Schlechten

Du bist nicht allein
Du hast es nur noch nicht
Begriffen

 

 

Der Tag hat mich überfordert

Ich ziehe die Klinge über meinen Arm. Ein neuer Schnitt entsteht. Blut tropft...
Als ich heute morgen aufwache, weiß ich schon, dass ich diesen Tag vergessen kann. Ich will gar nicht aufstehen, aber ich tue es... Wäre ich doch liegen geblieben.
Wieder ein Schnitt...
Ich bin aufgestanden, erstmal ins Bad. Dann komme ich in die Küche. Sehe schon den Berg Geschirr, den ich gleich spülen muss. Bevor meine Schwester kommt. Es ist schon fast zwei. Immerhin habe ich lange geschlafen. Doch jetzt ist da dieser Berg, der darauf wartet, sauber gemacht zu werden.
Noch ein Schnitt...
Nur das Spülwasser einzulassen überfordert mich. Es ist zu viel, jetzt schon. Dabei hat der Tag noch nicht wirklich angefangen.
Nächster Schnitt...
Ich spüle, mache zwischendurch meiner Schwester die Tür auf. Habe es nicht geschafft, rechtzeitig fertig zu werden. Der übliche Plausch geht los: "Wie wars in der Schule? Habt ihr eine Klausur zurück bekommen?" Dann bin ich mit der Küche fertig. Auf dem Schneidebrett finde ich einen Zettel. Es stehen noch mehr Dinge drauf, die ich heute machen soll. Ich bin überfordert. Was soll ich davon machen? Alles?
Diesmal zwei Schnitte...
Ich fange an, den Zettel abzuarbeiten. Der Hund tobt um mich rum. Mit ihm muss ich als nächstes raus. Eine große Runde. Der einzige Lichtblick, bis jetzt. Ich gehe langsam, lasse mir absichtlich Zeit. Als ich zurückkomme, ist eine Zeitung im Briefkasten. Ach ja, richtig, heute kommen die Stellenanzeigen. Also gucke ich erstmal in die Zeitung, nichts drin. Wieso auch? Wer sucht in dieser Gegend schon eine Auszubildende mit Hauptschulabschluss.
Die Schnitte werden tiefer...
Ich mache weiter im Haushalt. Irgendwann bin ich fertig. Ich setzte mich ins Wohnzimmer, lese in meinem Buch. Nach zwanzig Seiten stirbt meine Lieblingsfigur. Wird ermordet. Ich kann mir das Buch ohne die Darstellerin nicht vorstellen, lege es zur Seite.
Einem Schnitt folgt jetzt der nächste...
Mein Vater kommt runter. Fragt, was er kochen soll. Fährt dafür einkaufen. Der Freund meiner Schwester kommt. Ich versuche ihn in ein Gespräch zu verwickeln, während er sein Jacke aufhängt. Er antwortet nur kurz und knapp, geht nicht auf mich ein. Wie soll ich mich da mit ihm unterhalten?
Die Klinge fährt von oben nach unten über alle bisherigen Schnitte...
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer, mache den Fernseher an. Wir essen. Es gibt die üblichen nutzlosen Aufreger über irgendwelche mir unbekannten Leute. Ich war einfach zu lange weg,  gehöre nicht mehr richtig dazu.
Jetzt der andere Arm...
Wir spielen Karten. Bis sich der ein oder andere über sein Blatt aufregt und keinen Bock mehr hat, wodurch das Spiel nervig wird. Nicht mal das schaffen wir heute. Eigentlich schafen wir das in letzer Zeit selten.
Beide Arme sind jetzt voll von neuen Schnitten...
Ich gehe in mein Zimmer, will telefonieren. Erreiche niemanden, mit dem ich reden möchte. Jetzt ist genug, ich packe meine Klinge aus.
Ich bin fertig. Verbinde meine Arme. Mache meine Umgebung wieder sauber. Dann nehme ich mir meine Mofa und fahre ins Krankenhaus. Sage niemanden, wo ich hin will.
Ich überlege, was ich falsch gemacht habe. Warum ich den ganzen Tag so überfordert war, dass ich nicht mal auf mich selbst aufpassen konnte.
Im Krankenhaus werden sie mich versorgen und mich dann zurück schicken, zurück nach Hause, zurück in die Hölle.


verloren

Könnt ihr mich nicht sehen,
wie ich versuche vorwärts zu gehen?
Könnt ihr nur sehen, das kleine Kind?
Unterstützt mich, damit ich meinen Weg auch find!
Hört auf mit euren Diskussionen,
dass wird sich einfach niemals lohnen.
Erfindet mit mir die Wege neu,
damit ich mich irgendwann wieder freu.

 


Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!